Hobby-Brauer in Bretzwil beleben die Chesi neu
Ein kleines Grillfest im Garten bei Freunden, einer der Gastgeber stellte einen kleinen Brautopf auf und braute darin ein Bier. Das natürlich noch nicht trinkreif war und darum an einem nächsten Grillfest degustiert wurde. «Das war gar nicht schlecht, es kam auf jeden Fall sehr gut an», erinnert sich Markus Näf. In seinem «einfachen Topf» hatte er das Selbstgebraute angesetzt – etwas professioneller ausgedrückt in einem 50-Liter-Braukessel vom Typ Speidel.
Klar, dass das Thema vorwärts und rückwärts diskutiert wurde, und an praktisch dem gleichen Tag brachten sie die Gründung eines Bierbrauervereins auf einen guten Weg. Bis dahin sollte es noch eine Weile dauern, doch dann tauchte ein Inserat auf, die Chesi von Bretzwil sei zu vermieten. Sie schlugen zu, und nun erfolgte der eigentliche Start mit der Vereinsgründung am 1. April 2021. Die Lokalität war noch herzurichten, aber es gab Wasser und Strom, und darum ging es schnell.
Noch immer ein Hobby
Der Verein konstituierte sich, er zählt 14 Mitglieder im Alter von 45 bis 60 Jahren, je sieben Männer und Frauen, die mehrheitlich im Schwarzbubenland wohnen und zum Team gehören. Präsident ist Simon Metz, Markus Näf fungiert als Braumeister. Sie alle sind Hobbybrauer und in verschiedenen Berufen tätig, unter anderem als Treuhänder, im kaufmännischen Bereich, bei der SBB, in den Sparten Informatik und Software, ja auch im Sozialbereich.
Markus Näf ist Berufsschullehrer, Automation und Elektroinstallation gehören zu seinem Fachbereich. Das Bierbrauen betreibt er seit über 15 Jahren. In dieser Zeit hat er sich bei verschiedenen grösseren Brauereien umgesehen, um sich Wissen über das Bier und das Brauen anzueignen. Grundsätzlich ist es immer noch ein Hobby. «Wir wollen einfach zeigen und erleben, dass es noch andere Biere und Geschmäcker gibt als das, was im Handel so angeboten wird», sagt Markus Näf. Das ist eine gute Portion Untertreibung, denn das Sortiment der Chesi-Brauer darf sich mittlerweile sehen lassen.
Ansehnliches Angebot
Das Standardbier ist ein Blond Ale, das viele Leute schätzen, mit dem Namen Seichelbach. Daneben finden wir am Zapfhahn der Brauerei das Balmchöpfli, ein Pale Ale. Das Balmchöpfli ist ein beliebter Kletterfelsen und Aussichtspunkt auf einer Höhe von 794 Metern über Meer, zwischen Roderis und Engi. Anfangs brauten sie vor allem obergärige Biere, mittlerweile auch untergärige. Und auch Spezialitäten, zum Beispiel ein Belgian Tripel namens Ämmenegg (8.7%), mit dem sie beim jährlichen Wettbewerb des Brau- und Rauchshops im Jahr 2022 den ersten Preis in der Kategorie «Belgisches Starkbier» gewannen.
Die Ämmenegg ist ein steiler, bewaldeter Berg mit felsiger Krete entlang der Kantonsgrenze zwischen Baselland und Solothurn. Die Namen ihrer Biere leiten sie ab aus Flurnamen, die rund um Bretzwil vorkommen. Da gibt es etwa Schneeglöggliweid (ein Frühlingsbier), Rotsabel (American Amber), St. Wendelin (Dunkles Weissbier), Nebelberg (NEIPA), Häxeblätz (Sour Beer) und Hirnichopf (IPA).
Nach dem der Start mit einem 50-Liter-Kessel geglückt war, drängte sich aber rasch eine Erweiterung auf. Die Brauerei schaffte einen 140-Liter-Kessel an und hat nun viel mehr Möglichkeiten. Allerdings bleiben die Möglichkeiten beschränkt, insbesondere fehlt es an Lagerkapazität: «Wir müssten eine grössere Kühlanlage haben.» Die Jahresproduktion liegt nun bei 25 bis 30 Hektoliter.
Elektronische Steuerung
Das Bier der Chesi-Brauer trifft man noch nicht überall an, aber im Dorfladen von Erschwil, in einer Metzgerei in Laufen, beim Cheesmeyer in Sissach, und bei Matt&Elly in Basel gab es auch schon ein Gastspiel. Weiter gehen sie an die Märkte in der Region. Gebraut wird sodann für Spezialanlässe wie Geburtstagsfeste, Jubiläumsfeiern, Gewerbeausstellungen et cetera. Aber der Bierbrauerverein will nicht um jeden Preis wachsen, die Kapazitäten geben den Rahmen vor. «Wir haben auch schon Aufträge abgelehnt», sagen sie – weil die Kapazität fehlte. «Wir wollen uns nicht einengen lassen», fügt Braumeister Markus Näf an, «aber wenn sich etwas ergeben sollte, warum nicht?» Das Fernziel, mit dem Sortiment in die Läden oder in die Restaurants zu kommen, besteht nach wie vor.
Im Moment steht die Weiterentwicklung der Brauerei im Vordergrund. Wobei sie technisch schon auf einem sehr beachtlichen Stand ist: Die Bierproduktion wird elektronisch gesteuert, Näf kann sie auch von zu Hause aus überwachen und korrigierend eingreifen, falls nötig. Die Mitglieder des Brauteams besuchen regelmässig Kurse zur Weiterbildung.
Markus Näf, der auch ein begeisterter Tüftler ist, befasst sich aktuell mit der Konstruktion einer eigenen Abfüllanlage für Flaschen, um die Kapazität zu steigern – er befindet sich damit bald auf der Zielgerade. Heute füllen sie hauptsächlich und bevorzugt in Kegs ab, die handelsüblichen Metallgefässe. Gebraut wird übrigens, da alle berufstätig sind und das Bier nach wie vor ein Hobby ist, jeweils an Samstagen, alle zwei bis drei Wochen. Wenn sie am Brauen sind, kann man ihr Bier auch im Rampenverkauf abholen.