Birtel, die etwas andere Brauerei
Die Kleinstbrauerei liegt inmitten des Dreispitzareals, das noch immer zahlreiche Spuren des einstigen Zollfreilagers aufweist, vor allem Eisenbahnschienen von Industrie-Geleisen und Lagergebäude. In einem solchen befinden sich die Biermanufaktur Birtel und die dazu gehörende Fahrbar; über den Geleisen wurde ein Holzboden hingezimmert und als Gartenbeiz eingerichtet. «Ja, das ist unser unverwechselbarer Biergarten der etwas anderen Art», sagt Daniel Gosteli, der operative Leiter der Brauerei. Rund 60 Plätze im Trockenen gibt es, die Fahrbar ist Donnerstag und Freitag von 17-20 Uhr offen.
Die Geschichte von Birtel begann 2012, als drei Studenten mit Bierbrauen begannen, animiert von der damals aus den USA überschwappenden Craft-Beer-Welle. Erster Standort war die Flughafenstrasse, dann wechselte man an die Dornacherstrasse im Gundeli. Der Name Birtel hat mit Bier nichts zu tun – eine Figur in einem Kinderbuch hiess so. Vor dreieinhalb Jahren stiess der heutige Geschäftsführer Daniel Gosteli dazu.
Daniel Gosteli kam vom Marketing her und hatte bis dato mit Bier wenig zu tun, befasste sich nun aber intensiv mit Bier und so nahm es ihm «den Ärmel hinein». Er realisierte, dass fast alle Rohstoffe, die es zum Bierbrauen braucht, aus dem Ausland stammten, und verlegte sich darauf, in der Schweiz selber Braugerste anzupflanzen. Mittlerweile hat er auch Ingwer angepflanzt, weil er einmal Ingwerbier brauen möchte.
Die Philosophie des 38-jährigen Brauerei-Chefs beruht auf den beiden Worten «sinnvoll anders». «Wir wollen nicht einfach eine weitere Brauerei sein, «die Craftbier macht», sagt Gosteli. Birtel liebe die Unabhängigkeit, das Wilde und das Rebellische. Ihm genügt es aber nicht, ein gutes Bier zu brauen und eine hübsche Etikette auf die Flasche zu kleben. «Wir wollen nicht nur anders sein, sondern sinnvoll anders», sagt er. Er fragte sich, weshalb eine Biernation wie die Schweiz nicht eigene Rohstoffe hat. Und setzte da an, er will dereinst eigenen Hopfen und eigene Braugerste verwenden – hoffentlich noch in diesem Jahr.
Im Sortiment von Birtel figurieren derzeit drei Standardbiere (ein Blondes, ein klassisches Weizenbier à la Bayern, ein American Red Ale) sowie jeweils Saisonbiere. Aktuell sind dies ein Hazy Sommerbier sowie ein traditionelles und süffiges Lagerbier. Im Herbst soll ein Ingwerbier dazu kommen. In der Brauerei stehen je zwei Tanks à 20 und 10 Hektoliter, und gebraut wird auf einem 500-Liter Kessel (Brewiks, alles manuell). Wenn also ein 20-Hektoliter-Tank gefüllt werden soll, muss der Brauer viermal einen Sud ansetzen. Darum denkt man an eine Erweiterung der Kapazität, und man wartet auf eine neue Abfüllanlage, die 800 Flaschen pro Stunde verarbeiten kann.
Der Anfang war kein Schleck, erzählt Gosteli, vor allem die Finanzlage sei stets ein Thema. Einmal versuchte man es mit Crowdfunding, doch das ging schief – «für eine Brauerei ist das wohl der falsche Weg», sagt er heute. Dank den Aktionären ging es jeweils weiter. Geholfen hat auch, dass man den Wettbewerb der Basellandschaftlichen Kantonalbank, die jeweils Jungunternehmen auszeichnet, gewonnen hat. Zu Gostelis Team gehören heute ein Brauer und eine Person für die Administration. www.birtel.ch