, Istvan Akos

Shrinkbrew Ales: Verrückte Biere vom Seelenklempner

Kaspar Scheidegger ist als Craftbierbrauer ein richtiger Freak durch und durch, ein hemmungsloser sogar, der mit allem braut, wozu er gerade Lust hat, spontan, intuitiv und experimentell.

Es ist eng in der Microbrauerei Shrinkbrew Ales in Pratteln, sehr eng. Hier einige Qadratmeter im umgebauten Bauernhaus, dort eine kleine Kühlzelle, hier einige Gärtanks im kleinen Heizkeller, dort die Etiketten im schmalen Gang, weiter oben das Holzfass und die Plastikgefässe mit den reifenden Bieren im engen Schopf unter dem Schrägdach – ein Wunder, dass da spannende und gefragte Biere entstehen können. Doch Kapar Scheidegger schafft es trotz der Enge. Doch wie lange noch wird er unter diesen Bedingungen seine speziellen Biere brauen können? Die aktuell 250 Liter pro Monat schafft er noch, aber wenn die Nachfrage nach seinen Bieren zunimmt?

Und das wird sie zweifelsohne. Denn Kaspar Scheidegger ist als Craftbierbrauer ein richtiger Freak durch und durch, ein hemmungsloser sogar, der mit allem braut, wozu er gerade Lust hat, spontan, intuitiv und experimentell. Bier mir Roibosch, Himbeeren und Bourbon-Chips? Geht doch, wenn man wie er sich die Brauerei The Bruery in Kalifornien zum Vorbild nimmt. Die hat ja auch keine Hemmungen, ein Blonde Ale mit Reis zu brauen und das mit Laktose, Zimt und Vanillebohnen zu würzen und lange im Fass auszubauen. Und die haben auch in einer kleinen Küche angefangen und sind jetzt ein Millionenbetrieb.

Diese Ambition hat Kaspar Scheidegger aber nicht, trotz der Preise, die er mit seinen Bieren einheimst. Dazu ist ihm sein Beruf als Kinderpsychiater, den er seit 20 Jahren ausübt, zu wichtig. Daher übrigens auch der Name Shrinkbrew: Das englische Wort shrink bedeutet Seelenklempner. «Es sind schon die verrückten Sachen, die mich beim Bier reizen».  Deshalb braut er auch kein Bier zweimal, das wäre ihm zu langweilig.

Innovativ ist er aber auch, was die Abfüllung seiner Biere anbelangt. Die Flaschen («zu schwer, brauchen viel Platz») lässt er seit einigen Monaten links liegen und füllt seine Biere in aufwändiger Handarbeit in kleine Dosen ab. Pro Stunde schafft er 90, die er auch noch etikettieren muss. Das hat natürlich seinen Preis und so verlangt er pro Dose vier bis fünf Franken vom Händler, der auch noch seine vier Franken Marge draufhaut. Dank diesen Preisen finanziert sich zur Freude seiner «unglaublich toleranten Frau» sein teures Hobby unterdessen selber.

Auf die Frage, ob er nicht in absehbarer Zeit eine effizientere Brauerei haben wird, meint Kasper Scheidegger: «Vermutlich werde ich nicht mehr allzu lange hier brauen.»

Mehr Infos: www.shrinkbrew.ch und instagram.com/shrinkbrew/