Zunftausflug nach Nuglar: Zwei Brauereien auf einen Schlag
Warum denn in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah? Genau deshalb und auch ein bisschen wegen Corona ist die Brauerzunft Region Basel in der Region Basel geblieben und hat den beiden Brauereien im solothurnischen Nuglar die Ehre erwiesen. Die rüstigeren Zunftschwestern und -brüder wanderten von Büren nach Nuglar, die weniger rüstigen kamen direkt mit dem Bus nach Nuglar. Die erste Ziel – welch ein Sakrileg – war aber nicht das Bier, sondern der Rebberg und der Weinkeller von Christine Stingelin und Hans Peter Schmid. Den haben sie selber 2007 angelegt und seither produzieren sie mit pilzwiderstandsfähigen Sorten (z.B. Solaris, Cabernet Jura) gute und gefällige Weine, die immer wieder an internationalen Weinprämierungen ausgezeichnet werden. Gemessen am Interesse, das unsere Zünftigen den Weinen entgegenbrachten, hätte man sie leicht mit jenen der total ehrenwerten Zunft zu Reb- oder Weinleuten verwechseln können.
In Nuglar mit knapp 1500 Einwohnern gibt es gleich zwei Brauereien: Herrenberg Bräu und Schwarzbuebe Bier. Herrenberg ist eine Genossenschaft rund 100 Mitgliedern, eingemietet für zehn Jahre im ehemaligen Milchhüsli am Dorfplatz. 2008 besuchten einige Bierliebhaber einen Braukurs im Verein Unser Bier in Basel und beschlossen daraufhin, eine eigene Braustätte auf die Beine zu stellen. Seither wird an manchen Samstagen kräftig auf der 150-Liter-Anlage von Metzler gebraut. Total sind es rund 4000 Liter, die in aufwändiger Handarbeit auf die Flasche gezogen und etikettiert werden. Sie heissen Chämmi Fäger, Munni, Schomel oder Bintel und wissen allesamt zu gefallen.
Ein anderes Kaliber ist das Schwarzbuebe-Bier von Martin Klotz. Der erfolgreiche Basler Fotograf hängte nach einem Braukurs bei Unser Bier im 2000 seinen stressigen Beruf an den Nagel, kaufte die seit fünf Jahren leer stehende Alte Brennerei, renovierte das Haus und fing nicht nur damit an, seine speziellen kaltgehopften Biere zu brauen, sondern auch ein B&B und ein Restaurant zu betreiben. Sein Ehrgeiz, alles selber zu machen, führte ihn 2015 in eine gewaltige Krise: Die Isolation der Sudpfanne fing Feuer und es entstand ein Sachschaden von mehreren zehntausend Franken. Statt aber den Bettel hinzuschmeissen, rappelte er sich auf und erfreut sich jetzt eines gesunden Betriebes, der jährllich um die 12'000 Liter Bier braut. Das B&B hat er aufgegeben, ebenso seine grosse Wollschwein-Zucht Betty und Bossi, dafür hat den grossen Keller zu einem Eventraum ausgebaut, wo grosse Anlässe mit 100 und mehr Gästen stattfinden können.
Das Essen gefiel den Zunftschwestern und –brüdern, die Biere Amarillo Weizen, Citra Gold, Pacific Jade und Choco Stout ebenso und der Tag als Ganzes sowieso.