Mobile Anfüllanlage aus Zürich rettet Basler Brauer
Die Covid-19-Pandemie brachte viele Brauer und Gastronomen in Nöte: Der Bierverkauf ging drastisch zurück, man sass auf dem gebrauten Bier und wusste nicht wohin damit. Kreative Lösungen waren gefragt – eine heisst: Bier in Dosen abfüllen. Das macht das Bier einerseits länger haltbar, anderseits schafft es Platz.
Matt&Elly im Basler Erlenmatt-Quartier ist ein Brew Pub, ein Lokal mit hauseigener Brauerei, dies integriert in den Restaurantteil. Der Gast bekommt mit, wie Bier gebraut wird, und er sitzt unmittelbar neben den drei Tanks. Eine andere Art der Lagerung war eigentlich nicht vorgesehen.
Mit der Pandemie leerte sich das Restaurant, nicht aber die Biertanks – es musste etwas geschehen. Denise Furter, zusammen mit Jarin Huber Wirtin des Lokals: „Als der Lockdown kam, hingen wir plötzlich in der Luft. Unser Lokal war erst seit vier Monaten offen, noch nicht etabliert, und plötzlich der Stillstand.“ Vor allem: Wohin mit dem Bier?
Die Lösung, die man auf der Fachmesse in Nürnberg entdeckte: Das Bier in Dosen abfüllen. Doch dafür fehlte die Anlage. Das Lokal war darauf ausgerichtet worden, dass die gebrauten Biere fortlaufend im Restaurant verkauft und getrunken würden. Auch Flaschenabfüllung gibt es in diesem Haus nicht.
Der Retter in der Not kam aus Zürich – die noch junge Firma LAB63 betreibt eine mobile Dosenabfüllanlage und kann bestellt werden wie einst der Störmetzger. Die mobile Abfüllanlage kommt quasi ins Haus, dockt direkt bei den Tanks an und füllt das Bier in Dosen ab. Das Mobil misst in seiner vollen Länge gegen zwölf Meter, die Anlage kann mit zwei bis drei Personen bedient werden. Der Kunde, in diesem Fall Matt&Elly, muss nur zwei Dinge bereit halten: Das Bier, das abgefüllt werden soll, und die Etiketten, die auf den Dosen prangen sollen. Für die Etiketten gibt es genaue Vorgaben, und die leeren Alu-Dosen bringt LAB63 mit; nach dem Abfüllen werden die Dosen etikettiert und in 24-er-Kartons verpackt.“Wir haben dreimal je rund 4000 Liter in 33cl-Dosen gefüllt, verschiedene Sorten“, sagt Denise Furter. Nebenbei hat sich ein neuer Geschäftszweig eröffnet, an den sie ursprünglich gar nicht gedacht hätten: Jetzt kann man Dosenbier im Rampenverkauf anbieten.
LAB63 existiert erst seit einem Jahr, berichtet Valentin Schalter, der die Firma Zusammen mit Moritz Weibel betreibt. Schilter ist für die Organisation zuständig, Weibel für den technischen Bereich. Mit dem Lockdown, der die ganzen Gastrobranche in Nöte brachte, schlug ihre Stunde, sie hatten „recht ordentlich zu tun“, sagt Schilter zum letzten halben Jahr. Die Zusammenarbeit mit der Gastronomie ergab sich quasi von selber. Bei den Brew Pubs vor allem waren sie gefragt, weil diese keinen Direktverkauf haben.
Das Bier in der Dose hat gemäss Valentin Schilter vor allem zwei Vorteile: Erstens ist die Dose luftdicht und UV-Dicht. Denn die ultravioletten Strahlen (UV) sind neben dem Sauerstoff der grösste Feind des abgefüllten Biers, sagt Valentin Schilter. Zweitens: Das Bier in der Dose benötigt viel weniger Lagerplatz als etwa Flaschenbier. „Wir bringen 800 Liter auf ein Palett“, sagt er. Die Haltbarkeit von Dosenbier beträgt rund acht Monate, wobei es auch auf das Bier ankommt: Je nach Filterung kann sich die Haltbarkeitsdauer auf sechs Monate reduzieren oder auf 12 Monate verlängern.
Jede Woche seien sie mit ihrem Dosenmobil ein- bis zweimal unterwegs, in der ganzen Deutschschweiz und hier oft im Raum Basel („die Gegend weist eine seltene Brauerei-Vielfalt auf“), aber auch im Tessin und in der Romandie. Neben Bier werden auch Softdrinks abgefüllt, und man denkt daran, sich auch anderen Getränken zuzuwenden, zum Beispiel Longdrinks oder gar Wein.