Fröhliches Quaken mit der Blauen Ente
Humor haben sie, die beiden Frauen Claudia und Alexandra. Ihr Bier, das sie in ihrer kleinen Waschküche in ihrem kleinen Einfamilienhaus in Muttenz brauen, haben sie Blaue Ente getauft. Weil die Ente das Maskottchen von Claudia war. Und blau, weil sie halt mit einigen Promillen so wird. Folgerichtig heisst die Mailadresse auch nicht info, sondern quak@blaueente.ch. Und auf dem Sixpack steht: Trinkst Du noch oder quakst Du schon?
Wie so manches Brauprojekt in Basel und Umgebung auch, gehen die Ursprünge der Blauen Ente auf einen Braukurs bei Unser Bier zurück. Als Grundlage für Qualität scheint das nicht ganz genügt zu haben, denn das 2011 gebraute Hochzeitsbier der beiden Frauen hätten die Gäste, wie sie schmunzelnd berichten, «nur aus Anstand getrunken». Wie auch immer, die Grundlage war gelegt und Claudia, die einen naturwissenschaftlichen Hintergrund hat, begann sich ernsthaft mit den Geheimnissen der Brauerinnenkunst zu beschäftigen. 2017 liess sie sich in Bern als Braustätte registrieren und braut seither regelmässig, zunächst 20 Liter in einem Weck-Einkochtopf und heute 40 Liter mit einem Braumeister von Speidel.
Die Biere von Claudia sind allesamt spezielle Craftbiere, die sie mit viel Leidenschaft braut. Das Standartsortiment umfasst Electrum (Amber), Mora (Brown Ale) und Alba (Pale Ale) , daneben experimentiert sie mit dem, was die Natur saisonal gerade liefert: mit Waldbeeren (Rubus), Mirabellen (Fructus) und Holunderblüten (Sambucus), die sie selber sammelt. Und mit Kirschen vom eigenen, auf fünf Jahre von der Gemeinde gepachteten Baum.
Die hohe Qualität der aktuell dreizehn Biere, der quakend-originelle Auftritt und die grosse Leidenschaft der beiden Frauen haben dazu geführt, dass sie mittlerweile eine recht grosse Fangemeinde haben und die Nachfrage deshalb grösser ist als ihr Ausstoss. Das bewegte sie dazu, mit einem erfolgreichen Crowdfunding jene Finanzen zu sammeln, mit denen sie durchstarten könnten. Sie liessen Sixpackkartons drucken und Gläser produzieren, sie kauften Kegs und planten die Anschaffung einer weiteren Brauanlage – doch dann brachte Corona mit den geschlossenen Bars und Restaurants eine schwierige Zeit.
Doch nun stehen sie bereit für den Take-off. Claudia hat auf Juni ihren 60%-Bürojob gekündet und will nur noch brauen und mit dem Velo ausliefern. Alexandra, «die starke Frau hinter der starken Frau», hält ihr als Lehrerin den Rücken frei und kümmert sich um die Website , das Marketing und den Vertrieb. Und wenn sie an einem Strassenfest oder Biermarkt ihre Enten quaken lassen, dann sind auch ihre beiden Kinder Maël und Léan auch dabei. Viel Herzblut investieren Claudia und Alexandra derzeit in ihr «Ehe für alle»-Abstimmungsbier «Love is Love». Von jeder verkauften Flasche sollen 50 Rappen in den Abstimmungstopf fliessen.
Was der Blauen Ente bis vor kurzem noch gefehlt hat, ist ein grösseres Gehege. Jetzt ist es gefunden, ab Juli ist sie in einem Gewerberaum in Münchenstein. «Dann kann», so freuen sie sich, « die Ente sogar aufhören zu watscheln und endlich hoch durch die Lüfte fliegen».
www.blaueente.ch